Man kennt es: Die Idee ist schon lange da – einfach mal am Wochenende raus, Neues entdecken und gemeinsam Zeit verbringen.
Eigentlich mit dem Wohnwagen – aber das bedeutet jedes Mal einiges an Organisation, vor allem, wenn man ihn nicht direkt am Haus stehen hat und in Ruhe packen kann.
Also haben wir diesmal umgedacht.
Als die Idee aufkam, den Burgenklettersteig zu machen, war schnell klar: Für einen Tag sind die 2,5 Stunden Fahrzeit einfach zu viel. Also entstand der Plan, vor Ort zu übernachten.
Bei der Suche nach einer Unterkunft stießen wir auf die Jugendherberge in Manderscheid. Und ziemlich schnell war klar: Mit Halbpension ist das genau die richtige Wahl für uns. Also buchten wir von Freitag bis Sonntag – und das Wochenende konnte kommen.
Tag 1
Die Kinder hatten einen kurzen Schultag und auch Jenny und Philipp machten früher Schluss. So saßen wir um 14:30 Uhr im Auto – mit zwei Koffern und der Kletterausrüstung im Gepäck.
Nach etwas mehr als 2,5 Stunden Fahrt kamen wir in Manderscheid an. In der Jugendherberge wurden wir herzlich empfangen und konnten direkt unser Zimmer beziehen.
Im Zimmer standen uns drei Hochbetten zur Verfügung. Schnell war klar, wie wir uns aufteilen: Die Kinder nehmen ein Bett, wir Eltern das andere. Am Ende lagen die Jungs oben und die Mädels unten – und jeder richtete sich seinen Platz ein.

Ab 18:00 Uhr ging es zum Abendessen. Es gab Reis mit Moussaka oder Paprikasauce, dazu Hähnchenschenkel, ein reichhaltiges Salatbuffet und zum Nachtisch Quark mit Mandarinen – genau das Richtige nach der Anreise.
Da wir unsere Spiele zu Hause vergessen hatten, liehen wir uns kurzerhand welche an der Rezeption aus. So spielten wir noch ein paar Runden Phase 10, lachten viel und ließen den Abend gemeinsam ausklingen.
Irgendwann wurden wir müde – und auch ein bisschen aufgeregt auf den nächsten Tag. Schließlich ging es ins Bett, denn das Abenteuer wartete schon.
Tag 2
Nach einem tollen, reichhaltigen Frühstück ging es für uns mit Vorfreude los Richtung Burgenklettersteig.
Der Steig zieht sich in mehreren Etappen durch felsiges Gelände rund um Manderscheid und verbindet dabei immer wieder die alten Burgen der Region. Genau diese Mischung macht ihn besonders: leichte und anspruchsvollere Passagen wechseln sich ab, zwischendurch sorgen ausgesetzte Stellen und vor allem die langen Hängebrücken für echte Herausforderungen – körperlich und im Kopf. Gleichzeitig gibt es immer wieder Möglichkeiten zum Umgehen oder Aussteigen, sodass jeder seinen eigenen Weg finden kann.
Schon der Start zeigte, was uns erwartet: schmale Wege entlang des Hangs, erste Blicke ins Tal und immer wieder dieser Wechsel zwischen Wandern und Klettern.
Die erste Etappe an der Lieser war für uns der perfekte Einstieg. Es ging direkt in den Fels, über kleine Stufen, durch Querungen und mit genau der richtigen Mischung aus leicht und etwas anspruchsvoller. Genau das hat richtig Spaß gemacht und man konnte sich gut „reinklettern“.
Nach einem kurzen Stück auf dem Wanderweg kam die zweite Etappe Richtung Oberburg. Hier wurde es dann schon etwas kniffliger und an der ein oder anderen Stelle auch anspruchsvoller. Man merkt, dass der Steig anzieht, aber alles bleibt gut machbar. Oben angekommen wurden wir mit Sonne pur und einem richtig schönen Platz belohnt – perfekt für eine Pause mit Blick ins Tal.

In der dritten Etappe war von Anfang an klar, dass es jetzt nochmal eine Schippe draufgeht. Schon vom Topo her wusste man: viele Passagen im D-Bereich, immer wieder kraftintensive Stellen und kaum richtige Erholung dazwischen.
Philipp und Maximilian gingen motiviert weiter in den Steig und stellten sich genau diesen Passagen. Es ging immer wieder in steilere Wandstücke, technisch gut machbar, aber einfach anstrengend – vor allem, weil sich die schwierigeren Stellen immer wieder aneinanderreihen.
Carlotta war sich unschlüssig und entschied sich schließlich, die dritte Etappe auf einen anderen Tag zu verschieben.
Jenny merkte am Turnierplatz, dass die Überhänge heute vielleicht zu viel werden könnten, und entschied sich deshalb für die Umgehung über die Eselsbrücke. Aber auch dort ging es direkt fordernd los mit einem C/D-Einstieg, bei dem man schon ordentlich arbeiten musste.
Bis zur Burgenbrücke lief alles gut, doch die setzte nochmal einen drauf – länger, höher und deutlich wackeliger. Spätestens hier wurde klar, dass es heute nicht mehr nur um Technik geht, sondern auch um Kraft und den Kopf. Und obwohl liebe Klettersteiggeher helfen wollten und wir den Steig als Familie gemeinsam gehen wollten, musste hier doch jeder seinen eigenen Weg gehen. Der Notausstieg war dann die richtige Entscheidung.
Nach einer Pause ging es noch durch den Fluss – eiskalt und rutschig. Zum Glück gab es Zipper-Hosen: schnell zu kurzer Hose umfunktioniert und so blieben die Schuhe trocken. Trotzdem waren die nackten Füße im Wasser eine echte Überwindung, aber genau das gehört am Ende auch dazu.
Carlotta trafen wir oben am Berg auf dem Weg wieder. Philipp und Maximilian kamen kurze Zeit später über den Steig nach – erschöpft, aber richtig zufrieden.
Somit hatte jeder seinen Weg zum Ziel gefunden und als Familie saßen wir am Tisch im Café bei Kuchen und Eis, ließen den Tag Revue passieren und wussten: genau solche Tage bleiben.
Zurück in der Jugendherberge wartete noch das Abendessen auf uns. Es gab eine Gemüsesuppe, dazu Fleischkäse mit Kartoffelpüree und Champignonsauce, ein Salatbuffet und zum Nachtisch Apfelmus – genau das Richtige nach so einem Tag.
Danach ging es aufs Zimmer, wo wir noch ein paar Runden Phase 10 spielten, bevor wir – geschafft vom Tag – ins Bett fielen.
Tag 3
Nachdem wir aufgestanden waren und uns soweit fertig gemacht hatten, zogen wir die Betten ab und begannen zu packen.
Dann ging es erstmal zum Frühstück. Wie schon am Tag zuvor erwartete uns eine leckere Auswahl, und wir genossen diesen Moment ganz entspannt und sorglos – ohne Zeitdruck, einfach nochmal zusammen sitzen und den Morgen genießen.
Anschließend packten wir zu Ende und überlegten, was wir heute noch machen wollen. Nach einigem Hin und Her fiel die Entscheidung auf Boppard – schon ein Stück Richtung Zuhause, aber mit einem weiteren Klettersteig auf dem Weg.
Also Koffer ins Auto und los ging’s.
In Boppard angekommen fanden wir tatsächlich einen Parkplatz – und dann auch noch kostenlos. Schnell fertig gemacht und den Schildern Richtung Einstieg gefolgt.
Der Mittelrhein-Klettersteig war direkt ganz anders als der Burgenklettersteig. Weniger am Stück, dafür im ständigen Wechsel zwischen Kletterpassagen und Wanderabschnitten.
Immer wieder trafen wir auf Leitern, Eisenstifte und abwechslungsreiche Kletterstellen. Dazwischen ging es auf schmalen Wegen weiter – mal durch den Wald, mal offen am Hang entlang.

Genau dieser Wechsel machte den Steig besonders. Man hatte immer wieder Zeit durchzuatmen und den Blick über die Rheinschleife schweifen zu lassen.
Die Kletterstellen selbst waren gut machbar, aber abwechslungsreich genug, um spannend zu bleiben.
Die Ausflugslokale entlang des Weges hatten allerdings noch geschlossen – sie hatten wohl noch nicht mit so tollem Wetter gerechnet und öffnen in der Regel erst ab April.
Nach etwa drei Stunden waren wir wieder am Einstieg des Klettersteigs angekommen. Von dort ging es auf einem kleinen Pfad abwärts zurück Richtung Boppard.
Der Hunger war inzwischen deutlich da.
Zum Glück erinnerten wir uns an das Restaurant „Base Camp“, das wir am Anfang gesehen hatten. Ein Blick auf die Karte – und es war sofort klar: Das passt.
Käsespätzle, Kaspressknödel, Kaiserschmarrn… genau unser Soulfood.
Ganz entspannt in Selbstbedienung, wie man es aus den Bergen kennt – unkompliziert und genau richtig nach so einem Tag.
Nach diesem wirklich leckeren Abschluss ging es dann endgültig heimwärts.
Und während wir im Auto saßen, mit einer guten Portion Muskelkater, war eines klar:
Es war genau die richtige Entscheidung, sich dieses Wochenende Zeit zu nehmen.

